Mittwoch, 26. Mai 2010

Das alte Ehepaar

Man bekommt vieles zu sehen und zu lesen bei Bewerbungen zu einer Untersuchung von Erscheinungen. Viele kann ich aber nach kurzer Zeit schon mit ganz normalen Vorgängen erklären. Orbs, die durch ein Zimmer schweben sind all zu oft einfach nur Scheinwerfer von einem Auto, das vorbei fährt. Klopfgeräusche sind oft Heizungen, die mal wieder entlüftet werden sollten. Das meiste was mich erreicht, lässt sich also leicht so erklären und macht mir und meinem Team nicht viel Arbeit.

Bei einem Fall, zu dem wir vor etwas über einem Jahr gerufen wurden, wurden wir aber von einer Sache überrascht, die wir so schnell nicht vergessen werden! Dramatische Zwischenfälle, die für ein Mitglied meines Teams beinahe tödlich geendet hätten.

Mich erreichte ein Brief einer etwas älteren Frau, die mit Ihrem Mann ein kleines Haus bewohnte. Sie hatte seit einiger Zeit ein ungutes Gefühl im oberen Stockwerk, wo die Kinderzimmer und das Zimmer von Ihr und Ihrem Mann lagen. Sie schilderte das so, als ob jemand neben Ihr herlaufen würde, Sie aber keinen sehen könne. Sie fühle sich beobachtet, ja, sogar verfolgt. Nachts hätte Sie öfters das Gefühl als würde jemand auf Ihrem Brustkorb sitzen. Sie hätte auch schon versucht zu schreien, es sei aber kein Ton aus Ihrem Mund gekommen.

Grundsätzlich gehe ich bei Briefen wie diesem davon aus, dass die Erscheinungen und Erlebnisse reine Einbildung sind. Besonders in den etwas fortgeschrittenen Jahren kann das schon mal vorkommen. Jedoch hatte ich hier zu Beginn schon ein anderes Gefühl. Der Brief war anders; voller Panik und nackter Angst. Ein Zeichen, dass da wirklich etwas dran sein könnte.

Unsere Untersuchungen, die wir über eine Woche verteilt an drei Nächten vornehmen, begannen an einem Samstagabend und dauerten bis Sonntagvormittag. Schon der Aufbau unserer Technik war anders als es das normal war; mir stellten sich die Nackenhaare auf, ohne ersichtlichen Grund. Und schnell hatten auch wir dieses bedrückende Gefühl, als würden wir beobachtet.

Entgegen meiner Vorahnung; die erste Nacht brachte keine Ergebnisse. Keine Bilder, keine Tonbandstimmen, einfach nichts was uns zeigen konnte; hier gibt es paranormale Aktivitäten. Wir teilten dem Ehepaar, besonders der Frau, unseren Stand mit und vereinbarten, am Dienstag die zweite Untersuchung vorzunehmen. Nachdem die erste Nacht ja überhaupt nichts ergeben hat, war das Thema für mich schon so gut wie erledigt; in etwa 99% aller Fälle gibt es bei der ersten Untersuchung schon Resultate oder Zeichen für paranormales.

So fuhren wir am Dienstag wieder zu diesem Haus, das sehr schön an einem Waldrand gelegen war. Die gewohnte Routine; der Aufbau unserer Technik und ein Interview mit den Bewohnern. Zu unserem Glück war auch eine Tochter des Ehepaars da, so konnten wir auch diese befragen. Was Sie uns dann erzählte klang für mich wie aus einem schlechten Horrorfilm! Auch Sie habe früher, in Ihrer Kindheit, Kontakt zu Geistern gehabt, aber nie mit jemandem darüber gesprochen. Sie habe öfter nach dem Aufwachen Kratzwunden an Armen und Beinen gehabt, sich aber nie erklären können, woher die kommen sollten. Als Kind hatte Sie nie lange Fingernägel oder Zehennägel, um sich diese Wunden selber beibringen zu können. Auch habe Sie öfter in der Nacht leuchtende Augen im Zimmer gesehen, die Sie angestarrt hätten und dann plötzlich weg waren, als hätten sie sich in Luft aufgelöst.
Die Tatsache, dass diese Frau bei der Polizei arbeitet, machte Ihre Aussage für mich sehr glaubwürdig.

Der zweite Tag fing dann auch recht ruhig an. Nichts deutete darauf hin das es hier Aktivität gab. Wir machten im oberen Stockwerk EVP (Tonbandaufnahmen, bei denen wir Fragen stellen und hoffen, eine Antwort zu erhalten, die wir so nicht hören, aber auf dem Tonband dann zu finden ist), als wir plötzlich kratzende Schritte hören, die eindeutig von der Treppe her kommen. Von uns war keiner auf der Treppe, und ausser uns war keiner im Haus. Schnell machten wir Fotos des gesamten Treppenbereichs, doch da waren die Geräusche auch schon weg. Jedoch hatte ich das Gefühl, als würde mich just in diesem Moment etwas an Arm berühren. Ein leichtes über-den-arm-streichen, und schon stellten sich meine Nackenhaare wieder auf. Ich gab ein ausgemachtes Zeichen und die anderen machten Fotos von mir. Im selben Moment waren da wieder die Geräusche auf der Treppe, die sich langsam von uns zu entfernen schienen.
Der Rest der Nacht war dann wieder ruhig, jedoch ist mir beim Abräumen ein kleiner Kratzer aufgefallen, auf dem Arm, an dem ich diese Berührung wahrgenommen habe…

Unsere dritte und letzte Untersuchung fand dann in der Nacht von Freitag auf Samstag statt. Nach der ewigen Routine blieb es erst ruhig. In den frühen Morgenstunden jedoch passierte etwas, was wir so in der Art noch nie erlebt hatten; ein Mitglied meines Teams wurde an Fusse der Treppe von etwas geschuppst! Er erklärte das so, als ob eine Wand gegen ihn gekracht sein und er Mühe gehabt hatte, auf den Beinen zu bleiben. Wenn er gefallen wäre, hätte er sich vermutlich die Schläfe an einer der Stufen so gestossen, dass es böse hätte ausgehen können für Ihn!

Leicht geschockt und froh das die Nacht dann bald vorbei war, räumten wir die ganze Technik ab und machten uns an die Auswertung der drei Nächte. Nach dem was wir alles erlebt haben, müsste da einiges zu finden sein!

Die Auswertung ergab drei Tonbandstimmen, zwei männliche, eine weibliche. Wir gehen davon aus, dass die beiden Männer Ärzte oder Pfleger sein mussten, die weibliche eine Patientin. Unsere Recherchen haben nämlich ergeben, dass unweit von dem Haus eine Nervenheilanstalt gestanden habe, die vor langer Zeit bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Auf Grund mysteriöser Todesfälle hat man es damals jedoch unterlassen, erneut so eine Einrichtung zu erstellen. Leider waren die Stimmen des EVP zu undeutlich, als das man hätte sagen können, was da genau gesagt wurde. Die weibliche Stimme klang jedoch sehr verängstigt, weshalb wir auch annahmen, dass Sie eine Patientin sein musste.

Es gab aber auch zwei Fotos, die eine Art Nebel zeigten. Eines ist an der Treppe entstanden, als wir diese kratzenden Schritte vernommen hatten; das zweite zeigte diesen Nebel neben mir. Wir haben die Fotos untersuchen lassen, um klar sagen zu können, dass es sich um keine Schmutzpartikel oder ähnliches handeln konnte. Das Resultat war, das mit den Fotos so alles in Ordnung sein müsse.

Wir haben also Stimmen und einen Nebel (keinen Orb) auf Band und Fotos festhalten können. Zusammen mit dem Erlebnis von der letzten Nacht, wovon es leider keine Fotos oder EVPs gab, konnten wir der Frau und Ihrem Mann sagen, dass es in Ihrem Haus wohl paranormale Aktivitäten gab.

Eine der wohl gefährlichsten Untersuchungen seit unserem Bestehen, ging somit zu Ende, jedoch waren wir dort nicht das letzte Mal; die Frau hat sich nochmal hilfesuchend an uns gewendet! Ich werde Euch auf dem laufenden halten...

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